Ohne Schneckenjäger geht nichts

Andrea und Norbert Hagen im Garten

Andrea und Norbert Hagen im Garten

Von der Hochterrasse ihres Hauses Am Mönchberg in Birkenwerder aus bietet sich ein großartiger Blick. Das Augenmerk wandelt zwischen den einzelnen Themen-Beeten hin und her. Vor der Stützwand unterhalb der Terrasse ist ein Steingarten entstanden. Hier teilen sich unterschiedlichste Kräuter und Gewürze die Hängeterrasse, vom Bohnenkraut über Pfefferminze und Oregano bis hin zu Zitronenthymian.

Ein sanft abfallender Hang auf der anderen Seite einer Treppe wird von sorgfältig ausgewählten Gehölzen dominiert. Sattes Dickmännchen-Grün bedeckt den Boden. Rund 40 verschiedene Sträucher und stattliche Bäume sind in dem Garten verteilt. Diverse Sommerblumen bilden die Farbtupfer in einem „italienischen Beet“, dem große Tongefäße Charakter verleihen.

Andrea und Norbert Hagen haben eine wilde Deponie zu einem Park umgestaltet – und Enten helfen ihnen dabei

Der Blick bleibt an einer hölzernen Sitzgruppe und zwei Gartenliegen hängen. Ein Spielhaus für die beiden Kinder (10 und 11) kreist einen frei stehenden Baum ein. Zwischen ihm und einem kleinen Wäldchen hängt eine Tarzanschaukel. Im Schatten der hohen Bäume versteckt liegt der „Zaubergarten“, wie Andrea Hagen ihn nennt. Unter den Baumkronen schlängeln sich von Beeten begrenzte Pfade. Accessoires aus Metall, Glas, Holz und Stoff bilden Blickfänge. Der Weg führt zu einem kleinen Teich. Das Entenhaus kündet seit zwei Jahren von seinen Bewohnern: vier indische Laufenten. Die dürfen sich frei auf dem Gelände bewegen, um die Schneckenplage einzudämmen. Bevor die Vögel ihre Wächterfunktion übernahmen, mussten die Hagens täglich 300 bis 500 glitschige Nacktschnecken allein aus den Beeten sammeln. Für die Enten sind die Schleimtiere, die ihrerseits die Pflanzen plündern, dagegen ein Leckerbissen.

Der Zutritt ist dem Federvieh nur an einzelnen, besonders unwiderstehlich schmeckenden Pflanzen mit kleinen Drahtzäunen verwehrt. Auch der Gemüsegarten neben dem Wintergarten der Villa ist für Tiere tabu. Das gilt sogar für Familienhund Jackie, der sich sonst über die Beete und Beeren hermachen würde – ausgenommen Zwiebeln und Lauch, erzählt die 49-jährige Hausherrin.

Der Garten ist überwiegend ihr Refugium. Sie hat den Grünen Daumen in der Familie Hagen, sagt ihr Mann (51): „Ich bin da eher fürs Grobe zuständig.“ So hat er zum Beispiel die Terrassenbeete aus Pflastersteinen gemauert. Auch das Rasenmähen am Wochenende fällt in das Aufgabengebiet des Vermessungsingenieurs und Bürgermeisterkandidaten. Ran muss er auch, wenn ein Beet mal um einen Meter zu verschieben ist, sagt er augenzwinkernd. Zu tun ist also immer etwas. Und ist „nur“ das Laub der rund 100 Großbäume auf dem Grundstück einzusammeln.

Die 6000-Quadratmeter-Fläche war 1995 erworben worden. Die zugewucherte wilde Deponie war zunächst urbar zu machen, erinnert sich das Ehepaar. Ein Garten war bereits beim Baubeginn des Hauses zwei Jahre später zu erkennen. Der mittlerweile entstandene Park weist sogar Parallelen zur Laga auf, beispielsweise die Sitzgelegenheiten. Die nutzt Andrea Hagen seltener. „Genauso gern arbeite ich im Garten“, sagt sie. Deshalb sei die aus ihrer Sicht sehr sehenswerte Laga auch „gefährlich“. Abgeschaute Ideen provozieren wieder eigene Projekte.

Quelle: Helge Treichel, Märkische Allgemeine