Anwohner bauten Straße selbst

Am Mönchberg in Birkenwerder nahmen die Anlieger die Sache in die eigenen HÀnde

Die Anlieger feierten am Sonnabend in Birkenwerder die Fertigstellung des privat finanzierten Neubaus der Straße Am Mönchberg.

Gewaltige Schlaglöcher, Bodenwellen und umher fliegender Sand – das war bis vor kurzem der Zustand der Straße Am Mönchberg und des sĂŒdlichen Teils der Florastraße in Birkenwerder. Der Ausbau des 660 Meter langen Abschnitts war von der Gemeinde frĂŒhestens fĂŒr 2011 vorgesehen. Dennoch wurde die erneuerte Straße nun schon am vergangenen Sonnabend ĂŒbergeben. Die Anlieger hatten den dringend notwendigen Ausbau in die eigenen HĂ€nde genommen. „Im Mai 2006 gab es die ersten Ideen und GesprĂ€che“, blickt der Sprecher der „Mönchberger“, Uwe Linz, zurĂŒck. Ein Jahr spĂ€ter grĂŒndeten die Anlieger eine Erschließungsgesellschaft mit einem Vorstand, der ihre Interessen vertrat.

FĂŒr die Planungskosten wurden die ersten TeilbetrĂ€ge eingezahlt. Es folgten ZusammenkĂŒnfte der Einwohner, in den der Ausbauumfang diskutiert wurde, zum Beispiel wie viele Laternen und welche neuen Gehwege notwendig sind und wie die EntwĂ€sserungsfrage geklĂ€rt wird. Eine einfache Ausbauvariante wurde gewĂ€hlt,  um die Kosten niedrig zu halten. „Bei uns galt die Maxime: Erst wenn fĂŒr jeden weiteren Schritt Geld auf dem Konto ist, werden AuftrĂ€ge an die Firmen vergeben“, so Linz.  Die Gemeinde signalisierte ihr EinverstĂ€ndnis fĂŒr das Projekt. Als sehr hilfreich erwies sich, dass sich mit dem Vermessungsingenieur Norbert Hagen ein Mann vom Fach zu den Anliegern gehörte. Nachdem die detaillierte Planung vorlag, schloss der Vorstand Anfang 2008 mit jedem GrundstĂŒckseigentĂŒmer einen KostenĂŒbernahmevertrag. Durchschnittlich mĂŒssen die Anwohner 4 000 bis 5 000 Euro fĂŒr den Straßenbau berappen. Von 44 Anliegern lehnten es lediglich drei ab, sich an dem Projekt zu beteiligen. „Die drei Verbliebenen werden von der Gemeinde per Bescheid zur Zahlung verpflichtet“, erklĂ€rte Linz. Nach der Ausschreibung begannen im September die Bauarbeiten, die jetzt nahezu abgeschlossen sind. „Das Erfolgsrezept sind guter Wille und Toleranz der Solidargemeinschaft“, sagt Linz. BĂŒrgermeister Kurt Vetter lobte die Zusammenarbeit und das Engagement der Anlieger. „Ich hoffe dass der Funke des Engagement vom Mönchberg auch auf andere ĂŒberspringt“, sagte er. Die Mönchberger wĂŒnschten sich, dass auf der Straße immer entspannt gefahren werde möge und ihre gute Nachbarschaft fortbesteht.

Wegweisen
Heiko Hohenhaus zum privat organisieren Straßenbau in Birkenwerder
Der Bau von Anliegerstraßen ist in Birkenwerder und vielen anderen Oberhavel-Kommunen ein heikles Thema. Die einen Ă€rgern sich ĂŒber den miserablen Zustand des Sandweges vor ihrer HaustĂŒr, die anderen ĂŒber die hohen AnliegerbeitrĂ€ge, die bei einem Ausbau fĂ€llig werden. In mehreren FĂ€llen wurde der Bau vollstĂ€ndig blockiert, in anderen sind jetzt Gerichtsverfahren anhĂ€ngig. Da ist es schon ein wahres MeisterstĂŒck, was im Straßenzug Am Mönchberg/Florastraße in Birkewerder gelungen ist. Einige unverbesserliche Optimisten haben es geschafft, fast alle Anwohner fĂŒr einen privat finanzierten und organisierten Ausbau zu begeistern. Zudem ĂŒberredeten sie auch noch die Gemeinde Birkenwerder, ihr EinverstĂ€ndnis fĂŒr dieses Wagnis zu geben. Sicher wird der privat organisierte Bau von Anliegerstraßen nicht zum Standard in Oberhavel werden. Lernen können die Verwaltungen aber durchaus. So zum Beispiel, das die Anlieger wĂŒnschen, dass ihre Straßen nicht so gut wie möglich, sondern nur so gut wie notwendig ausgebaut ausgebaut werden, damit die Kosten im Rahmen bleiben. Außerdem wollen die Anwohner bei den Planungen einbezogen werden. Die gute Nachbarschaft der „Mönchberger“ ist durchaus ein Vorbild. Zu ihnen kann man nur sagen: Respekt!

Quelle: Heiko Hohenhaus, MĂ€rkische Allgemeine