Anwohner lassen Straße bauen

Baubeginn in Birkenwerder steht kurz bevor / Keine Kosten fĂŒr die Gemeinde

SpĂ€testens in der nĂ€chsten Woche rollt der erste Bagger an. Die Straße Am Mönchberg und ein Teil der Florastraße in Birkenwerder werden ausgebaut. Der Clou: Die Anwohner  haben das Projekt eigenstĂ€ndig initiiert und bereits bezahlt.

Der Mann der ersten Stunde heißt Norbert Hagen. Er war vor knapp zehn Jahren mit seiner Frau und sechs Kindern in sein Haus Am Mönchberg eingezogen. Die Anliegerstraße ist ein löcheriger Sandweg, mit Splitt ausgebessert. Nach VorgesprĂ€chen in der Gemeindeverwaltung und mit Planern sowie einer Entwurfsvermessung erörterte der 50-jĂ€hrige Ingenieur das Projekt mit den einzelnen Anliegern. Das war vor gut zwei Jahren. Im April 2007 fassten die Betroffenen im Ratskeller den Beschluss zum Fahrbauausbau, ein Vorstand wurde gewĂ€hlt.

Zwei Monate spĂ€ter zahlten die Anlieger anteilig die Planungskosten ein. Ein PlanungsbĂŒro wurde nach einer Ausschreibung  beauftragt (drei Angebote).  Den Zuschlag erhĂ€lt H&W aus MĂŒhlenbeck. Die Gemeindevertreter stimmten dem Vorhaben im September 2007 zu. Die RĂŒdersdorfer Baufirma Wolter bekam in diesem Monat den Auftrag zum Bauen (sechs Angebote). Die Grundlage bildet ein zuvor geschlossener Erschließungsvertrag zwischen Anliegern und Gemeinde. Das Gesamtvorhaben kostet rund 280 000 Euro und wird von 44 GrundstĂŒckseigentĂŒmern getragen. Gebaut werden 600 Meter Fahrbahn (3,5 bis 5 Meter breit), 80 Meter Geh- und Radweg (Am Mönchberg bis Brieseallee, 1,5 m breit), 50 Meter Gehweg (Am Mönchberg bis BriesesteigbrĂŒcke), eine wegen der Hanglage komplizierte RegenentwĂ€sserung sowie die Beleuchtung. Innerhalb von zwölf Wochen sei das Vorhaben  umgesetzt, sagt Norbert Hagen, also spĂ€testens Mitte November. Das Projekt umfasst die Straße Am Mönchberg sowie die Florastraße im Abschnitt zwischen Friedrich-Engels-Allee und Am Mönchberg. Die jeweilige Höhe der AnliegerbeitrĂ€ge orientiert sich an der kommunalen Satzung (GrundstĂŒcksgrĂ¶ĂŸe, Faktor der zulĂ€ssigen Bebauung). Die Privaten hĂ€tten jedoch mit gemeinsamen Einzelfallentscheidungen vereinzelte HĂ€rtefĂ€lle abgemildert, beschreibt Hagen die Abweichungen.

Interview
Eine Laienveranstaltung funktioniert nicht
Der Initiator und Motor des privaten Straßenbaus ist der Vermessungsingenieur Norbert Hagen.
Mit ihm sprach Helge Treichel.
MAZ: Funktioniert ein solches Projekt nur, wenn ein Fachmann in der Straße wohnt?
Norbert Hagen: Entweder so – oder die Kommune stellt einen Mediator vom Fach. Straßenbau mit sich allein gelassen, ist zu kompliziert. Daraus eine reine Laienveranstaltung machen zu wollen, geht nicht.
MAZ: Was ist die Aufgabe eines Mediators?
Hagen: Wichtig ist, dass ein Fachmann mit jedem Betroffenen einzeln spricht, ohne irgendwelchen Gruppenzwang. Wenn sich daraus ein positives Ergebnis ergibt, muss sich die Gemeinschaft zusammenfinden. Ohne formelle GrĂŒndung entsteht eine Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts (GbR). Wir haben dann das Geld eingesammelt und danach die jeweiligen AuftrĂ€ge erteilt – erst fĂŒr die Planung, dann fĂŒr das Bauprojekt selbst.

Quelle: Helge Treichel, MĂ€rkische Allgemeine